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Beitrag Interview mit Daniela Hinrichs, XING

1. Liebe Frau Hinrichs, XING berichtet über eine neue Kooperation mit dem US-amerikanischen Business Suchdienst zoominfo, welche die Tür zu 36 Millionen Mitgliedern öffnen soll. Was erwartet sich XING von dieser Kooperation aus unternehmerischer Sichtweise? Wie viele zoominfo User erwarten Sie als neue XING Mitglieder zu gewinnen?

Die Partnerschaft wird unseren Mitgliedern von Anfang an Nutzen bringen, denn sie ermöglicht ihnen den Zugang zu mehreren Millionen Personen im richtigen Umfeld, vor allem in Nordamerika, U.K. und Kanada. Das Potenzial, neue Mitglieder für XING zu gewinnen, ist hoch. XING-Mitglieder werden vom integrierten Zugang zur ZoomInfo-Suchmaschine profitieren, denn damit erschließt sich ihnen die Möglichkeit, Millionen englischsprachige Geschäftsleute weltweit über deren Emailadresse zu erreichen, Informationen über beruflichen Werdegang, Bildung und Gremiumzugehörigkeiten dieser Personen einzusehen sowie über XING mit ihnen in Kontakt zu treten und Geschäfte zu machen.

XING wird seinen Mitgliedern Zugang zu ZoomInfo-Profilen bieten, ohne dass die XING-Plattform verlassen werden muss. ZoomInfo wird anzeigen, welche Profile schon bei XING registriert sind und ermöglicht den Nutzern, noch mehr aktuelle Informationen über Kontakte zu erhalten und diese einfacher zu kontaktieren.

2. Der globale Hauptkonkurrent” linkedin” ging in den letzten Monaten in die Offensive und hat endlich auch anderssprachige Interfaces entwickelt, um vor allem den europäischen Markt zu attackieren. Wie sehen Sie diese Schritte und wie reagieren Sie darauf?

Soweit ich weiß, gibt es das Angebot von Linkedin nur auf Englisch. Ich erinnere mich, dass es erste Versprechungen gab, bereits im vergangenen Jahr zumindest eine deutsche Sprachversion zu launchen: Das ist allerdings 8 Monate her und wurde trotz mehrfacher Ankündigung nicht umgesetzt.

Wir haben im ersten Halbjahr bereits – neben dem deutschsprachigen Markt – auch den spanischen Markt konsolidiert und uns hier als Marktführer positioniert. Spanien ist also der zweite wichtige europäische Markt in Folge, in dem wir uns gegenüber internationalem Wettbewerb die Spitzenposition gesichert haben. Wir sondieren den Markt weiter nach möglichen Akquisitionen und strategischen Partnerschaften in Amerika und Europa. Als börsennotiertes Unternehmen und aufgrund unseres etablierten Geschäftsmodells verfügen wir über die notwendigen finanziellen Mittel, die anderen für fundierte Expansionen fehlen.

3. Linkedin hat mit seinen 11 Millionen Mitgliedern noch einen außerordentlich großen Vorsprung auf XING. Gibt es XING interne Prognosen bzw. Berechnungen, ob man diesen Abstand jemals deutlich verringern kann?

Der Markt für Online-Business Networking steht noch ganz am Anfang und das Potenzial ist gewaltig, wenn man sich nur mal veranschaulicht, dass bereits heute weltweit 1,1 Milliarden Menschen online sind. In nur 3 Jahren wird diese Zahl ungefähr bei 1,8 Milliarden Internetnutzern liegen. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung wird es für Geschäftsleute immer wichtiger, sich weltweit zu vernetzen. Ob ein Netzwerk attraktiv für mich als Nutzer ist, hängt davon ab, ob es aktiv ist. Also simpel formuliert, ob es den Austausch untereinander ermöglicht oder ob es eher ein statisches Inhaltsverzeichnis für Personen ist.

Bei XING waren allein im 1. Quartal 2007 durchschnittlich über 89% unserer Premium-Mitglieder aktiv. Unsere Mitglieder verweilten allein im März doppelt so lange auf XING und generierten dabei die doppelte Menge an Page Views, als beispielsweise auf Linkedin. Die Zahl unserer Unique Visitors ist in Relation zu den angemeldeten Nutzern viermal höher. Die Zahlen zeigen, welchen Wert XING bereits im täglichen Geschäfts- und Arbeitsleben hat.


4. „openBC” ist mit der Umbenennung in die „XING AG” endgültig Geschichte. Nach der Namens- und Interfaceänderung wurde Ihnen von vielen Seiten ein Absturz prognostiziert. Haben Sie einen Rückgang der User-Aktivität bzw. eine Abmeldewelle wahrgenommen?

Im Gegenteil. Kurz nach dem Bekanntwerden des neuen Namens, stieg die Anzahl der von Mitgliedern versendeten Einladungen rapide auf ein Jahreshoch an. Der Namenswechsel hat uns viel Aufmerksamkeit in der Community sowie positive Resonanz in den Medien beschert – gerade international. Vor allem in Amerika finden die Leute es spannend, wie wir es geschafft haben, an diese 4-Buchstaben-Domain zu kommen.

5. XING hat mit dem Start des „Marketplaces” seine wohl größte Funktionserweiterung vorgenommen. Die Möglichkeit Stellenausschreibungen auf XING zu positionieren erscheint logisch und wird sichtlich auch angenommen. Wurde in Sachen „Jobbörse” aber nie über Kooperationen nachgedacht, anstatt das Rad nochmals neu zu erfinden?

Bei Kooperationen mit Jobportalen geht es um Content. Bei der Einführung des Marketplace auf XING geht es in erster Linie um die Methodologie, also sehr gute Jobangebote mit qualitativ hochwertigen Profilen zusammen zu bringen. Aufgrund der im Profil angegebenen Stichpunkte können wir Angebot und Nachfrage sinnvoll miteinander verknüpfen. Das gab es vorher noch nicht. Unser Marketplace ist deshalb so interessant, weil Mitglieder auf XING erfahrungsgemäß in guten Positionen beschäftigt sind und kurzfristig keinen neuen Job finden müssen. Seit dem Start im Mai wurden knapp 30.000 Jobangebote gelistet. Selbstverständlich suchen verschiedene Anbieter mit uns immer wieder das Gespräch und wir können uns vieles auch gut vorstellen.

6. Noch eine Frage zur Zukunft: Nach der Erweiterung um die Möglichkeit miteinander zu Handeln (Marketplace), gibt es vielleicht auch Ideen, XING um die Funktion „Partnersuche” zu erweitern? Ein „XING Loveplace” würde sicher Zuspruch finden. Gibt es da gewagte Pläne?

Nein, wir verfolgen keine Pläne in diese Richtung. Es gibt auf dem Gebiet „Partnersuche” viele erfolgreiche Anbieter, die sich auf Singles und gesellschaftliche Bedürfnisse spezialisiert haben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Mitglieder von Business-Netzwerken grundsätzlich eine Trennung zwischen beruflichen und privaten Kontext wünschen. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen, dass Business-Netzwerke weitaus mehr Potenzial haben: Auf XING ist es völlig legitim, mit mehr als einem Geschäftspartner in Kontakt zu stehen.

7. XING ist bis dato ein sehr geschlossenes System. Der US-amerikanische Platzhirsch „Facebook” hat nun sein System geöffnet und die User gleichzeitig eingeladen, zusätzliche Tools & Ad-ins zu programmieren. Gibt es auch bei XING Überlegungen das System zu öffnen, um externes Innovationspotential durch Crowdsourcing zu nutzen?

Wir haben bereits Anfang März mit der Arbeit an einer XML-basierten Schnittstelle begonnen, die anderen Programmen die Anbindung an das System ermöglicht. Wir werden uns also weiter öffnen. Was wir genau anbieten, muss für uns und im Interesse unserer Mitglieder mit dem Schutz der Nutzerdaten konform gehen. Amerikanische Unternehmen stehen hier weitaus weniger in der Verpflichtung, da der Datenschutz nicht so stark ist.

Derzeit arbeiten wir neben der API an weiteren spannenden Projekten. Eines davon ist das Adressbuch 2.0 auf dem man von XING aus webbasiert alle Kontakte managen kann.

8. Zum Abschluss: Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die nächsten 2 Jahre, um die Erfolgsgeschichte XING weiterzuführen? Wovor könnte XING sich fürchten?

Die größte Herausforderung für uns ist, nicht nur gut zu sein, sondern immer besser zu werden. Gott sei Dank haben wir sehr engagierte Mitglieder, die uns dabei unterstützen. Mittlerweile ist jedes 2. Feature auf XING aufgrund von Vorschlägen unserer Mitglieder entstanden. Wir haben schon oft gedacht: „Was für eine coole Sache! Warum sind wir nicht darauf gekommen?”. Vieles ist von uns leicht umzusetzen, andere Themen sind komplexer und benötigen mehr Zeit. Wir managen mittlerweile über 54 Mio. Einzelverbindungen und jedes Mitglied erwartet, dass mit einem Klick alle Kontaktdaten aktuell sind und sofort zur Verfügung stehen.

Der generelle Ausblick geht in Richtung sinnvoller Verknüpfung von Angebot und Nachfrage. Dazu gehört die Relevanz von Suchergebnissen weiter zu erhöhen und individuelle Empfehlungen abzugeben, bspw. welche Inhalte, welcher Kontakt für mich relevant ist. Google hat dieses Prinzip bislang erfolgreich vorgemacht.

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