Erster Peter Drucker-Dialog: „Innen entstehen nur Kosten“
Zum 100. Geburtstag des „Vaters des Managements” rief das WdF heuer den Peter Drucker-Dialog ins Leben. Zum Auftakt diskutierten Top-Manager im Palais Liechtenstein: Wie viel Druck braucht es für die Verantwortung der Führungskräfte?
120 Besucher waren der Einladung von WdF und Drucker Society (deren Vorsitzender Dr. Richard Straub auch die Moderation übernommen hatte), gefolgt. Die Frage nach der Aktualität Druckers beantwortete Dr. Wilfried Stadler gleich in seinem einleitenden Statement: „Würde er noch leben, hätte er angesichts der Turbulenz der Finanzmarkt-Ökonomie heute viel zu tun”. Der Minimalismus des Schumpeterianers Druckers - „er verlangte nur, dass Manager das Richtige tun” - habe das Management entmystifiziert, ihm aber eine neue noble Rolle gegeben, war der WU-Professor überzeugt.
„Orange”-Chef Michael Krammer hat an der Militärakademie Bekanntschaft mit Druckers Werk gemacht, das von General Philipp neben Clausewitz und Sun Tsu empfohlen wurde. Auch die Gehaltsstruktur der Armee, „wo ein Vier-Sterne-General gerade das 12-fache des gemeinen Soldaten verdient” habe Drucker fasziniert. Die Verantwortung des Managers werde in der Telekombranche jedenfalls konkret umgesetzt, so Krammer. So prüfe Orange etwa laufend, „ob wir mit unserer Werbung auch Kinder und Jugendliche ansprechen dürfen”. Denn es gibt „verwundbare Kunden”, so der CEO, auf die man achten müsse. Schließlich sei der einzige Qualitätsmaßstab für ein Unternehmen „das, was der Kunde bereit ist zu zahlen”.
Lotterien-Chef Dr. Karl Stoss durfte in seiner Zeit am Malik-Zentrum St. Gallen Drucker noch persönlich kennenlernen. Beeindruckt habe ihn die „ganz einfache Sprache und die einfachen Beispiele”. Oft habe er den Managementberater mit einem Arzt verglichen, dessen vorrangiges Ziel sei, „nicht wissentlich Schaden zuzufügen”. An Ratschlägen aus Druckers Zeit bei General Motors („Heute ein Todkranker, dem laufend frisches Blut zugeführt wird, der aber dennoch stirbt”) nannte er die Erkenntnis, dass Erträge immer „draußen” erzielt werden, innen nur Kosten entstehen. Neben dem ständigen Kontakt der Führungskräfte mit Kunden sei aber auch eine einmal jährliche systematische Müllabfuhr in der Organisation nötig, „um Platz zu schaffen für Neues”.
Dass es noch viel zu tun gibt hin zu Druckers Idealbild, war Krammer angesichts der Finanzkrise überzeugt: „Von der Verantwortung der Manager war an der Oberfläche nicht viel zu sehen”. Das wollte Dr. Stoss nicht ganz so stehen lassen: „Man darf die Vielzahl von Managern nicht vernachlässigen, die nicht an der Front standen und keine großen Boni eingestreift haben”. Nicht einmal im Non-Profit-Bereich gehe Führung heute „nebenbei, mit der linken Hand”. Da müsse man sich nur den österreichischen Sport ansehen, sorgte der Casinos Austria-Chef für Schmunzeln.
Die stimmungsvollen Räume, die die WU Executive Academy für den Drucker-Dialog ausnahmsweise geöffnet hatte, passten ideal zum Abend im Zeichen des Alt-Österreichers Drucker. Dementsprechend lange wurde am Buffet diskutiert, unter anderem von Mag. Florian Laszlo (Observer), ÖBB-Personalchef Mag. Emmerich Bachmayer, BM. A. D. Mag. Karin Gastinger, Dr. Astrid Kleinhanns, Univ.-Prof. Dr. Bodo Schlegelmilch (beide WU), Mag. Renate Danler (Hofburg), Mag. Gerald Steger (café + co) und Claudia Daeubner.
Peter Drucker Society of Austria
Fotoinformation: Fachgespräch im fürstlichen Ambiente: ÖBB-Personalchef Mag. Emmerich Bachmayer und Mag. Josef Podlesnig (AWS). Foto: Graf
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